Aus einem Programmheft mit vielen verschiedenen Kursen konnte man im Vorfeld einige Präferenzen angeben. Ich bekam glücklicherweise meine Erstwahl an der Akademie in Braunschweig, wo zeitgleich sechs verschiedene Kurse stattfanden.

Der Chemie-Kurs der Akademie stand unter dem Thema „Komplexchemie-warum Blut nicht immer rot sein muss“. Wir beschäftigten uns theoretisch mit chemischen Komplexen, ihrem Aufbau und ihren Eigenschaften.

Jeder der Teilnehmer musste im Vorfeld ein etwa vierzigseitiges Skript zum Thema lesen und ein etwa zwanzigminütiges Referat vorbereiten, welches er im Laufe der Akademie vor dem Kurs halten musste.

Selbstverständlich führten wir im Zuge des Chemiekurses auch praktische Versuche durch, so vergifteten wir Schweineblut mit Zigarettenrauch und hatten die Möglichkeit, mit Chemikalien zu arbeiten, die in unserer Schule nicht vorhanden sind.

Ein typischer Tag auf der Akademie hatte in etwa folgenden Ablauf: Morgens gab es um halb neun ein Plenum, in dem der Tagesplan und die aktuellen KüAs (kursübergreifende Angebote) bekanntgegeben wurden. Anschließend fand bis zum Mittagessen um 12.15 Uhr der jeweilige Kurs statt, nach Bedarf durch eine kurze Kaffeepause unterbrochen. Nach dem Mittagessen, ab 14 Uhr war dann KüA-Zeit, hier konnte man aus einem breit gefächerten Angebot wählen. Die KüAs konnten gleichermaßen von Kursleitern und Teilnehmern geleitet werden. Wer Lust auf ein Angebot hatte trug sich in die Liste ein und bot die KüA an. Man konnte frei wählen, welche KüA man besuchen wollte, keines der Angebote war verpflichtend.

So gab es Erste-Hilfe-Kurse, Veranstaltungen um das schnelle Mitschreiben zu erlernen, zahlreiche sportliche Angebote von Beachvolleyball und Tanzen über Basketball, Handball, Ultimate Frisbee, Speed Stacking bis hin zu Selbstverteidigung. Es gab einen KüA, in der ein Akademielogo entworfen wurde und mittels Siebdruck eigens auf Shirts gedruckt wurde. Selbstverständlich gab es auch einen Chor, welcher unter der Leitung des Musikbeauftragten der Akademie stattfand und meistens täglich probte. Bald fand sich auch eine Akademie Band und ein Akademie-Orchester zusammen, die am Ende der Akademie öffentlich auftraten.

Nach der Kuchenpause um 16 Uhr fanden von 16.30 Uhr bis zum Abendbrot um 18.45 Uhr wieder die Kurse statt. Nach dem Abendbrot war wieder KüA -Zeit, die eben genannten Angebote fanden auch statt, ergänzt noch beispielsweise durch Gesellschaftsspiele und Kochangebote. Wem nach einem anstrengenden Tag eher nach Entspannung zu Mute war, der hatte die Möglichkeit, sich bei der „Musik zur Nacht“, der Massage-KüA, Meditations-Kür oder einem Kinoabend im hauseigenen Kammertheater zu entspannen.

Abends fanden nicht nur „normale“ KüAs statt, sondern teilweise auch „größere“ Veranstaltungen für die ganze Akademie. An dieser Stelle sind der Casinoabend, das Volleyballturnier, der Grillabend, die Chemie-Show und die Vorstellung einiger Studiengänge durch die Kursleiter zu nennen.

 Schnell stellte sich heraus, dass die Kurse keinesfalls mit „Unterricht“ und die KüAs keinesfalls mit „Freizeit“ gleichzusetzen waren. Auch stand nicht der Kurs im Vordergrund, sondern die Kurse und die KüAs waren als gleichberechtigte Angebote angesehen.

Sonntags fand nur nachmittags der Kurs statt, sodass morgens die Möglichkeit bestand, in die Kirche zu gehen, eine Stadtführung durch Braunschweig zu machen oder zu versuchen, dem chronischen Schlafmangel entgegenzuwirken.

Am einzigen Tag, an dem keine Kursarbeit stattfand, dem Exkursionstag, konnte man zwischen verschiedenen Angeboten in Braunschweig und Umland wählen.

Der zweite Samstag war als Rotationstag vorgesehen, in kleinen Gruppe stellten Kursteilnehmer das jeweilige Thema ihres Kurses Teilnehmern aus anderen Kursen vor. So bekam man einen Einblick in die Arbeit der anderen Kurse.

Bereits in den ersten Tagen der Akademie fiel die besondere Atmosphäre auf: Jeder redete mit jedem, alle waren motiviert und hatten merklich Spaß an der Sache. Die Kursleiter/-innen und Akademieleiter/-innen waren alle sehr nett und wirklich daran interessiert, mit uns zusammen zu arbeiten und uns nicht nur zu unterrichten.

In der Freizeit und in den kursübergreifenden Angeboten konnte man mit ihnen auch wunderbar nicht themenbezogenes machen, so traf sich regelmäßig nach den Chemiestunden eine kleine Gruppe experimentierbegeisterter Teilnehmer und machte Experimente. Am Ende wurden sie in einer Chemie-Show präsentiert.

Grundsätzlich duzten sich alle während der gesamten Zeit, was zugegebenermaßen zunächst gewöhnungsbedürftig war, aber auch maßgeblich zu dem guten Klima beitrug. Beim Essen wurden zum Beispiel die interessantesten Diskussionen geführt (nicht zuletzt auch, um von der Qualität der Mahlzeiten abzulenken), an denen sich der gesamte Gruppentisch rege beteiligte.

Nur sehr wenige Regeln waren gegeben, („Rechtzeitig auf dem Gelände sein“, „Beim Verlassen des Geländes abmelden“, „Kein Alkohol“ und „Im eigenen Bett schlafen“). Dadurch waren sehr viele Freiheiten gewährleistet.

Größtenteils beruhte der reibungslose Ablauf der Akademie auf der Kooperation und Motivation der Teilnehmer, Kursleiter und Akademieleiter. So gab es auch keine verbindliche Nachtruhe, sondern man konnte bis spät in die Nacht KüAs besuchen, die Sporthalle nutzen, in der Bücherei arbeiten oder einfach auch mehr oder weniger rationale Diskussionen führen.

Die Akademie und die Kurse waren keinesfalls eine stupide Lernveranstaltung, sondern auch dazu gedacht, sich selbst auszuprobieren, neues kennenzulernen und unabhängig von jeglichen Verpflichtungen genau das zu machen, woran man am meisten Spaß hatte.

Im Laufe der Akademie fand ich neue gute Freunde, lernte die verschiedensten interessanten Menschen kennen und probierte unglaublich viele neue Dinge aus. Niemand machte irgendjemandem irgendwelche Vorwürfe, wenn etwas nicht beim ersten Mal ideal klappte. Selbstverständlich bestand die Anforderung leistungsbereit zu sein, aber keinesfalls die Verpflichtung, permanent und konstant eine perfekte Leistung zu erbringen.

Besonders erwähnenswert ist auch die Tatsache, dass das Gruppengefühl während des gesamten Akademieverlaufes sehr groß war, gleichzeitig aber eine äquivalent hohe Achtung der individuellen Person gewährleistet war.

Alles in allem kann ich sagen, dass die Schülerakademie unglaublich Spaß gemacht hat und eine Erfahrung ist, welche ich nicht missen möchte. Die zwei Wochen gehören zweifelsohne zu den besten meines Lebens.

Bestünde die Möglichkeit, ein weiteres Mal teilzunehmen, würde ich diese sofort wahrnehmen. Ich kann nur jedem/jeder motivierten Schüler/-in empfehlen, welche/-r sich ernsthaft für ein Fach interessiert und Spaß am Lernen und am Gedankenaustausch mit Gleichgesinnten hat, sich um eine Teilnahme an der Deutschen Schüler Akademie zu bewerben.

Danken möchte ich an dieser Stelle den Sponsoren der Akademie.

Auch bei den beiden Kursleiterinnen, die den Kurs spannend gestaltet haben, und einer Frage nie abgeneigt waren sowie meinen Freunden und allen anderen tollen Teilnehmern und Teilnehmerinnen, die die Zeit zu einem unvergesslichen Erlebnis gemacht haben möchte ich mich für die tolle Zeit bedanken.

Lilian Szych, Klasse 12

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