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vom 21.09.2017 14:08

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Arne 01

 

Vom 11.08. bis zum 27.08.2016 hatte ich das große Glück, an der Deutschen Schülerakademie (DSA) in Torgelow am See (Mecklenburg-Vorpommern) teilzunehmen. Hierbei handelt es sich nicht um ein „Nerdcamp“, wie viele Freunde oder Lehrer gerne behaupten, sondern vielmehr um ein Zusammentreffen von ca. 100 zwar begabten, aber ansonsten ganz normalen Jugendlichen aus ganz Deutschland.

Doch von vorn: Schon Monate vorher haben wir als Teilnehmer uns zu Reisegruppen zusammengefunden und bereits erste Kontakte geknüpft, sodass alleine schon die Zugfahrt von Hamburg über Berlin nach Waren (Müritz) allen viel Spaß bereitet hat. In Waren angekommen wurden wir auch schon von den Akademieleitern mit Bussen erwartet und zu unserer Heimat für die nächsten zweieinhalb Wochen gebracht. Hierbei handelt es sich um das Private Internatsgymnasium Schloss Torgelow, was natürlich erste Fragen wie „Wo bin ich hier eigentlich gelandet?!“ aufwarf, doch schon sehr bald sollte sich herausstellen, dass das Akademieleben nichts mit einem strengen Internatsleben zu tun hat. Nach dem Beziehen der Zweierzimmer, die während der Schulzeit von Internatsschülern bewohnt werden, trafen sich alle zu einem ersten gemeinsamen Treffen. Nach der Erläuterung der einzigen wirklichen Regel, dem obligatorischen Rauch- und Alkoholverbot, haben wir weitere Informationen erhalten, wie z.B. dass es keine Nachtruhe gibt. Auch das Verhältnis zu den Akademie- und Kursleiter (kurz AkL) war von Anfang an sehr freundschaftlich, und die Anrede „Sie“ war ab sofort tabu. Im Anschluss trafen sich alle ein erstes Mal in ihren gewählten Kursen, um einander besser kennen zu lernen und Hoffnungen, Wünsche aber auch Befürchtungen an die kommende Zeit zu besprechen.

Am nächsten Morgen begann dann das richtige Akademieleben. Ein durchschnittlicher Tagesablauf sah in etwa so aus: Nach dem gemeinsamen Frühstück trafen sich alle um 9 Uhr zum sogenannten Plenum, in dem der Plan für den jeweiligen Tag besprochen und die angebotenen KüAs (dazu später mehr) gesammelt wurden. Direkt im Anschluss begann bis zum Mittagessen die erste Kursleiste, lediglich von einer kleinen Kaffeepause unterbrochen:
Jeder Teilnehmer hatte zuvor einen der sechs Kurse aus den Themenbereichen Mathematik, Physik, Biologie, Informatik, Jura und Philosophie gewählt. Das Thema meines Kurses war „Von Wegen, Bäumen und Flüssen – Ein Ausflug in die angewandte Graphentheorie“. In der ersten Woche haben wir die Grundlagen der Graphentheorie durch zuvor vorbereitete Referate von ca. 10 Minuten Länge und mit der Hilfe unserer beiden Kursleitern Sven und Tabea erarbeitet. Parallel dazu führten uns die beiden in das Programmieren mit der Programmiersprache Python ein. In der zweiten Woche galt es, in kleinen Gruppen verschiedene Algorithmen zum Lösen graphentheoretischer Probleme zu implementieren, also ein Computerprogramm zur Lösung eines bestimmten Problems zu schreiben.

 

Arne 02

 

Zur kurzen Erklärung: Bei einem Graphen handelt es sich nicht um einen aus dem Unterricht bekannten Funktionsgraphen, sondern um eine Ansammlung von sogenannten Knoten, die mit Kanten verbunden werden. Hat man z.B. mehrere Städte (die Knoten), so wird für jede Straße, die zwei Städte miteinander verbindet, eine Kante zwischen die jeweiligen Knoten gezeichnet. Das entstehende Netzwerk nennt sich dann Graph. Hiermit kann man nun verschiedene Probleme lösen, so war es beispielsweise das Ziel meiner Gruppe, den kürzesten Weg zwischen zwei Knoten (also zwischen zwei Städten) zu finden. Auf diese Art und Weise funktionieren übrigens auch Navigationssysteme in Autos. Andere Gruppen beschäftigen sich z.B. damit, Netzwerke von Wasserrohren durch Hinzufügen neuer Kanten so zu optimieren, dass diese eine optimale Leistung erbringen.

 

Arne 03


Nach dem Mittagessen mit einem wunderschönen Blick auf den Torgelower See begann dann die erste KüA-Leiste: KüA ist eine Abkürzung für Kursübergreifende Angebote und kann im Prinzip alles bedeuten. Jeder, egal ob Teilnehmer oder Kursleiter, kann etwas anbieten, das einem gefällt, ob Japanisch, Zauberwürfel-Lösen, Selbstverteidigung, Debattieren, eine kleine Tenniseinführung oder spontanes Kartenspielen - zu allem finden sich immer genug interessierte Teilnehmer. Besonders viel Spaß hat mir das abendliche Ultimate Frisbee-Spielen bereitet. Leider spielte das Wetter beim akademieweiten Frisbee-Turnier nicht wirklich mit, doch auch von Dunkelheit und strömendem Regen ließen wir uns den Spaß nicht verderben! Eine weitere sehr beliebte KüA war Friesenrock, eine Art akrobatischer Paartanz, schließlich war dieser auch bei den beiden Partys, die bis in die Morgenstunden andauerten, gut zu gebrauchen.

 

Arne 04


Das mit dem Schlaf war sowieso eine Sache für sich, denn nach der ersten KüA-Leiste ging es bis zum Abendessen mit der zweiten Kursleiste weiter, worauf wiederum KüAs stattfanden, diesmal jedoch ohne Zeitbegrenzung, sodass manche Angebote, wie z.B. Sternegucken, erst um Mitternacht begannen, während andere stundenlang Werwolf spielten oder einfach nur miteinander quatschen. So endete ein Akademietag meisten erst um zwei Uhr nachts oder später. Der daraus resultierende Schlafmangel machte für viele bereits sehr schnell den Kaffee zum besten Freund. Verstärkt wurde dies noch dadurch, dass gegen Ende der Akademie die Dokumentation über die in den Kursen erarbeiteten Ergebnisse geschrieben wurde, und nach mehrfachem Korrekturlesen der Kursleiter immer wieder verbessert werden musste. Dabei wollte natürlich keiner die KüAs verpassen, sodass die Tage immer länger wurden.
Ein besonderer Tag war der Exkursionstag, an dem wir hatten die Wahl, nach Stralsund, ins Ozeaneum oder ins KZ Ravensbrück zu fahren oder an einer Kanutour teilzunehmen, wozu ich mich entschloss. Nach viereinhalb Stunden Paddeln auf der Mecklenburgischen Seenplatte freuten wir uns alle auf das abendliche Grillen und Beisammensitzen.
Vollkommen übermüdet und traurig über das Ende der Akademie, aber doch überglücklich über das Erlebte und die neu gewonnenen Freundschaften, mussten wir uns am letzten Tag unter Tränen voneinander verabschieden, natürlich nicht ohne das Versprechen uns bald wiederzusehen.

 

Arne 05


Das erste Nachtreffen hat inzwischen schon fünf Wochen nach der Akademie in Frankfurt am Main stattgefunden und war ein voller Erfolg. Neben der Besichtigung der Stadt inklusive Besteigung des Maintowers und dem Besuch des Dialogs im Dunkeln, gab es natürlich wieder ausgelassene Abende gefüllt mit Werwolf-Spielen, Gesang etc. Dabei haben wir uns sogar spontan alle zusammen als dreistimmiger Chor in die Frankfurter Innenstadt gestellt und die auf der Akademie eingeübten Stücke zum Besten gegeben.
Schlussendlich bin ich extrem dankbar dafür, diese wunderschöne und unvergleichliche Zeit in Torgelow erlebt und viele neue Freundschaften in ganz Deutschland geknüpft haben zu dürfen. Dabei habe ich die Offenheit aller Teilnehmer und den immer freundschaftlichen Umgang sehr zu schätzen gelernt. Mein Dank geht auch an Herrn Zimmer, der mir die Teilnahme über einen Schulvorschlag ermöglichte. Ich kann nur jedem, der die Chance bekommt, wärmstens empfehlen, an einer Schülerakademie teilzunehmen - ob diese nun in die Ferien oder in die Schulzeit fällt - es lohnt sich auf jeden Fall!

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