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vom 27.04.2017 20:32

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 Das Comeniustreffen in Kardzhali/Bulgarien

Bulgarien, Land der Gegensätze

Wir, die Mitglieder der Reisegruppe des Comenius-Projektes nach Bulgarien, haben hier vom 27.09.14 bis zum 04.10.14 eine interessante Woche in netten Gastfamilien erlebt. Wir haben viele neue Eindrücke gewonnen und "live" miterlebt, wie unterschiedlich Deutschland und Bulgarien, trotz ihrer geographischen Nähe, doch sind.

Doch nicht nur zwischen Deutschland und Bulgarien besteht ein großer Unterschied, auch die Verhältnisse in Bulgarien selbst könnten kaum verschiedener sein. Erkennen lässt sich das am besten an den Autos, die auf der Balkanhalbinsel fahren. Auf der einen Seite deutsche Wertarbeit in Form eines Trabis

Trabi

auf der anderen Seite, Audi, BMW und Mercedes, aber mehr Trabi als alles andere. Auch die Kleidung der am Austausch teilnehmenden Bulgaren reichte von Jogginghose bis Jackett.

Unser Programm während dieses spannenden Austausches war sehr ausgewogen; wir besichtigten die alte thrakische Ruinenstadt Perperikon, auf einem Berg gelegen und als heilige Stadt bezeichnet, aber auch moderne, von der EU geförderte Unternehmen, die ihre Produkte nach Deutschland, aber auch in die ganze Welt exportieren, darunter ein Autozulieferer unter anderem für deutsche Automarken und eine Firma, die Maschinen produziert, mit denen Paletten in Kunststofffolie eingewickelt werden können.

Unternehmen

In unseren Gastfamilien wurden wir freundlich aufgenommen, auch wenn zum Teil bis zum Schluss starke Sprachbarrieren bestanden. Die Verständigung mit Händen und Füßen hat uns aber ohne Probleme über die Woche gebracht. Auch das bulgarische Essen empfanden wir als gewöhnungsbedürftig, so gab es z.B. an einem Morgen kein Frühstück und den nächsten Morgen Schaschlik oder Pizza.

Die Projektarbeit in vier internationalen Gruppen war gleichfalls von z.T. starken Unterschieden in der Arbeitsmoral der Teilnehmer aus den verschiedenen Ländern geprägt. Trotz manchmal unmotivierter Bulgaren haben wir zum Schluss aber annehmbare Ergebnisse zu unserem Thema "Zusammenarbeit statt Konkurrenz" erzielt, darunter auch einen sehr lustigen Film in James Bond Manier.

Auf unserer Busfahrt in die zweitgrößte Stadt Bulgariens und eine der zehn ältesten Städte Europas, Plovdiv (ca. 400000 Einwohner), sorgte ein musikalischer Pole namens Phillip mit seiner Gitarre für Unterhaltung. Nach der Besichtigung eines Klosters, der Altstadt und einer Technikmesse feierten wir Deutsche zusammen mit den Schweden den 17. Geburtstag einer Schwedin in einem netten Café in einem Einkaufszentrum.

Kuchen

Der Kuchen war fast so gut wie das "Internationale Büffet", das am Montag mit verschiedenen Spezialitäten der teilnehmenden Länder Polen, Schweden, Bulgarien, Italien, Deutschland und der Türkei serviert wurde.

Buffet

Selbstverständlich erst nach getaner Arbeit, nämlich der Präsentationen der involvierten Schulen. Aber auch in der Güte der Präsentationen zeigten sich Gegensätze, die nicht unbedingt zum Vorteil der HPS ausfielen.

PraesentationJohannes

Die Unterkünfte der Schüler waren sehr unterschiedlich, so lebte ein Großteil der Schüler in Kardzhali selbst, zwei Schüler unserer Gruppe lebten aber auch in einem Dorf auf 700m Höhe mit 4.500 Einwohnern, einer Menge Kühe und 1 Stunde Fahrzeit zur Schule.

Kuh

Nun noch ein kurzer Exkurs zur Lage der politischen Situation in Bulgarien, da zurzeit unsere Reise der Wahlkampf für die Parlamentswahlen seinen Höhepunkt erreichte. Dies haben wir durch viele große Stände der Parteien in Plovdiv eindrucksvoll erlebt.

Bulgarien befindet sich auch nach dem Beitritt in die EU 2007 noch immer in einer tiefen Rezession, das Land ist von Korruption, Misstrauen der Bevölkerung gegenüber der Politik und Vetternwirtschaft geprägt. Der zweite Präsident in Folge tritt zurück und mehr als die Hälfte der Bulgaren will nicht zur Wahl gehen. Voraussichtlich wird Boïko Borissov der neue Präsident, der eine konservative Pro-Europa Politik vertritt und bereits von 2009-2013 Präsident war.

Demonstranten

Nachtrag: Mittlerweile habe die Wahlen stattgefunden, alle Parteien haben die absolute Mehrheit verfehlt, die Wahlbeteiligung lag bei nur 51,3% und Borissovs Partei GEBR erreichte 30,5% und ist somit vor den Sozialisten der BSP mit 26,7% stärkste Kraft im Parlament. Wie die Regierung gebildet wird ist unklar.

In einer Zeit, wo für den Aufschwung dringend benötigte Fachkräfte abwandern, es Spannungen mit Russland bezüglich einer Pipeline gibt, die gebaut wird, obschon die EU-Kommission dies ablehnt und Russland nun damit droht, Bulgarien den Gashahn abzudrehen, die EU wichtige Fördermilliarden einfriert, weil es Verstöße gegen das Vergaberecht gibt, und die Bevölkerung allen Politikern misstraut, ist dies ein extrem großes Problem.

Alles in allem sind wir uns alle einig, dass z.B. eine Fahrt nach Schweden komfortabler gewesen wäre, aber wir in Bulgarien eine Menge darüber gelernt haben, was die EU für andere Länder bedeutet, nämlich Investitionen in das Bildungssystem, in die Infrastruktur usw.

Wir lernten aber auch, dass Dinge, die für uns Standards sind, wie z.B. eine Dusche, die nicht aus einem Abfluss im Badezimmer und einen Wasserschlauch besteht, nicht auf der ganzen Welt selbstverständlich sind. Am Ende der Woche sind wir uns einig, wie gut wir es doch in Deutschland und an der Halepaghen-Schule haben.

GruppePerperikon

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