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Am Donnerstag, den 22.01., hat der Seminarfachkurs von Herrn Schüler (The History of Natural Sciences) eine Exkursion in das Medizinhistorische Museum am Uniklinikum Eppendorf unternommen.

Thematisch gab es dort viele interessante Dinge zum einen zur technischen, zum anderen zur rein historischen Entwicklung der Medizin zu sehen. Der erste Raum zeigte die Entwicklung vom ersten Lichtmikroskop bis hin zu denen, die wir heute aus Schulen, Universitäten und Laboren (dort einschließlich auch Elektronenmikroskope) kennen. Das erste, von dem Tuchhändler Anton van Leeuwenhoek konstruierte Lichtmikroskop aus dem späten 17. Jahrhundert ist noch weit entfernt von dem, was wir heute kennen. Eine Nachbildung davon ist im UKE ausgestellt - allerdings ist nicht mehr nachzuvollziehen, wie es eine knapp 300–fache Vergrößerung erreichen konnte! Im zweiten Raum bekam man einen Einblick in die Entwicklung der Röntgenstrahlung. Faszinierend daran war, dass die Röhren vollständig offen zu sehen waren, somit natürlich auch die Strahlung ungehindert in den Raum gelangen konnte. Darunter hatte meist das medizinische Personal mehr zu leiden als der Patient. Nicht wenige sind sogar daran gestorben. Dieses Defizit hat man jedoch relativ schnell erkannt, und somit wurden die Röhren mit Metall verkleidet und es entwickelte sich langsam in die Richtung, wie wir es heute kennen. Die Schutzmaßnahmen mit Blei fanden somit dort ihren Ursprung.

Ein Highlight der Führung war der Raum der Moulagen, Wachsabdrücke von Krankheitsbildern, die sich auf der Haut abzeichnen. Dies war kein Raum für Personen mit schwachen Mägen, denn bei der dort ausgestellten Krankheit handelt es sich um Syphilis. Detailgetreu wurden die Symptome, die die Haut betrafen, abgebildet. Diese Moulagen sind aus dem 20. Jahrhundert und wurden von Künstlern hergestellt. Die „Modelle“ mussten lebend „Modell sitzen“, denn die Haut ist mit das erste, das sich nach dem Tod verändert. Die Moulagen dienten zum einen dazu, den Krankheitsverlauf zu dokumentieren, der aus drei Stadien besteht, in denen das Gesicht und die Genitalien betroffen sind, zum anderen aber auch als abschreckendes Beispiel. Zu der Zeit, in der Syphilis weit verbreitet war, wurden die Betroffenen meist verurteilt, denn oftmals waren sie durch unehelichen Geschlechtsverkehr erkrankt.

Der nächste Raum behandelte die Entwicklung des Krankenhausalltags, vor allem im Zusammenhang mit der Choleraepidemie. Durch diese Epidemie musste das Krankenhaus, aufgrund der hohen Patientenzahl, umstrukturiert werden. Besonders bemerkenswert war die Entwicklung von Krankenpflegern hin zu den Krankenschwestern, die zunächst nicht akzeptiert wurden. Es gab eine weitläufige Diskussion mit aus heutiger Sicht unsinnigen Argumenten gegen weibliches Pflegepersonal, wie z.B. dass diese Frauen ein sexuelles Interesse an den Patienten hätten. Ausgestellt war sogar eine Schrift zu dem Thema unter dem Titel: „Unter dem Deckmantel der Barmherzigkeit. Die Schwesternpflege in den Krankenhäusern.“ Heutzutage wird jedoch davon ausgegangen, dass der Hauptgrund der Ablehnung gegenüber weiblichem Personal daran lag, dass die männlichen Patienten nicht wollten, dass eine junge Frau sie so entblößt und schwach sah.

Eine weitere häufig vorkommende Krankheit zu der Zeit war neben der Cholera die Tuberkulose. Sie wurde sogar in der Ausstellung als „Volkskrankheit“ bezeichnet. Der Kurs bekam einen guten Einblick darin, wie die Krankheit damals behandelt wurde. Am gängigsten war es, eine Rippe herauszubrechen und den betroffenen Lungenflügel kollabieren zu lassen, sodass sich die Krankheit im Körper nicht weiter ausbreiten konnte. Es gab natürlich auch Versuche, die Bürger Hamburgs für diese Krankheit und deren Verbreitung zu sensibilisieren. Einer davon war die unten abgebildete Tafel mit der Aufschrift: „Beim Niesen, Husten, Spucken bediene dich des Taschentuchs!“, die an öffentlichen Orten, wie z.B. Bussen und Bahnen hingen. Ein weiteres dunkles Kapitel der Geschichte der Hamburger Krankenhäuser ist die Rolle, die einige Ärzte unter den Nationalsozialisten gespielt haben. Verdeutlicht wurde dies an dem Fallbeispiel eines jungen Mädchens, das seine Mutter zu einer einfachen Behandlung in die Klinik gebracht hatte. Nach einiger Zeit kam dann der Todesbescheid, angeblich sei sie an einer Lungenentzündung verstorben – genauere Umstände wurden nie bekannt gegeben. Ihre Schwester stellte Jahrzehnte später Nachforschungen an und fand dann heraus, dass sie nach Wien gebracht wurde und dort irgendwo in einem Massengrab lag. Es handelte sich um Euthanasie. Man hat versucht ihre Überreste zusammenzutragen, mit dem Resultat, dass sie nun an drei verschiedenen Orten begraben ist.

Das Highlight der Führung folgte zum Schluss. Es handelte sich um den Sektionssaal. Dieser unterscheidet sich vom restlichen Bau stark, denn er ist so angelegt, dass möglichst viel Tageslicht hinein gelangen kann. Dieser Saal war nicht für die gerichtsmedizinischen Sektionen gedacht, sondern für die Sektionen von verstorbenen Patienten des Krankenhauses, denn zu der Zeit hatte man noch nicht genügend diagnostische Möglichkeiten. Es wurde also zumeist erst nach dem Tod ermittelt, woran der Patient gestorben ist. Heutzutage ist das völlig anders, solche Sektionssäle werden gar nicht mehr benötigt, denn meist wissen wir heute schon zu Lebzeiten woran wir sterben werden. Insgesamt war es eine gelungene Exkursion, die thematisch sehr gut gepasst hat und Einblicke in sehr interessante Dinge ermöglicht hat, da sowohl der historische, als auch der wissenschaftliche Aspekt gut vertreten war.

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